Jeder Brustkrebs ist anders

Das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, ist von Frau zu Frau unterschiedlich. Ebenso gibt es nicht die eine Form von Brustkrebs, sondern viele verschiedene Arten von Brustkrebs mit unterschiedlichen Merkmalen und Eigenschaften, die entsprechend unterschiedliche Behandlungsmethoden erfordern.

Einteilung von Brustkrebs

nach Gewebetyp und Ausbreitung

Brustkrebs kann von unterschiedlichen Gewebetypen der Brustdrüse ausgehen. Am häufigsten betroffen sind die Milchgänge (lateinisch: Ductus = Gang) mit einem duktalen Mammakarzinom. Die zweithäufigste Form, das lobuläre Mammakarzinom (lateinisch: Lobus = Lappen), entsteht in den Drüsenläppchen. Darüber hinaus wird unterschieden, ob sich der Tumor noch vollständig innerhalb des Ausgangsgewebes befindet, ob dessen Grenzen durchbrochen oder bereits Metastasen abgesiedelt wurden.

nach Rezeptorstatus

Wichtig hinsichtlich Therapiewahl bei Brustkrebs ist das Vorhandensein bestimmter Antennen (Rezeptoren) für Botenstoffe, die das Wachstum des Krebses beeinflussen. Dazu gehören insbesondere Rezeptoren für Östrogen, Progesteron sowie Rezeptoren für einen speziellen Wachstumsfaktor, der als HER2 bzw. HER-2/neu bezeichnet wird. Tumorzellen, die weder Rezeptoren für Östrogen, Progesteron noch für HER-2 besitzen, werden als dreifach negativ („triple-negativ“) bezeichnet.

nach Stadien

Die Einteilung der Krebserkrankung in einzelne Stadien, die das Fortschreiten der Erkrankung beschreiben, bildet eine wichtige Grundlage für die Wahl der Therapie. Weit verbreitet ist die Einteilung nach der TNM/pTNM-Klassifikation. Der Buchstabe T beschreibt die Ausdehnung des Ersttumors. Das N (lateinisch: Nodus = Knoten) gibt an, ob in Lymphknoten Krebszellen gefunden wurden. Der dritte Buchstabe, M, steht für das Fehlen oder Vorhandensein von Metastasen. Der kleine Buchstabe „p“ vor TNM (pTNM) bedeutet, dass Befunde und Erkenntnisse, die nach einer Operation vorliegen, in die Einteilung aufgenommen wurden. In einem weiteren Schritt können die TNM-Klassen zu Stadien (Stadium 0 bis Stadium IV) zusammengefasst werden.

nach Gewebeuntersuchung

Nach mikroskopischer Untersuchung des entnommenen Brustgewebes können wichtige Informationen zum Ausreifungsgrad der Tumorzellen gewonnen werden („Grading“). Den Ausreifungsgrad wird von gut (G1) über mäßig (G2) bis schlecht ausgereift (G3) angeführt. Je schlechter ausgereift die Zellen sind, desto intensiver sollte die entsprechende Therapie sein, um die weitere Ausbreitung zu bremsen bzw. zu verhindern.

Eine Vielzahl weiterer Brustkrebs-Charakteristika wird derzeit untersucht. Diese Erkenntnisse sollen in Zukunft eine noch gezieltere Wahl der Behandlung ermöglichen.

Quellen:

Deutsche Krebsgesellschaft: Patientenleitlinie Ersterkrankung und DCIS, 2009, http://leitlinienprogramm-onkologie.de/uploads/tx_sbdownloader/Patientenleitlinie_Brustkrebs_1.pdf; abgerufen am 11.05.2013.
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Soerjomataram I, et al. An overview of prognostic factors for long-term survivors of breast cancer. Breast Cancer Res Treat 2008; 107: 309-330.
Dudenhausen JW, Schneider HPG, Bastert G. Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Verlag: De Gruyter, 2. Auflage, 2002.