Diagnose des fortgeschrittenen Brustkrebses

Wie im Kapitel „Früherkennung“ beschrieben, kann eine Reihe von Maßnahmen dazu beitragen, dem Brustkrebs rechtzeitig auf die Spur zu kommen. Dazu zählen vor allem die regelmäßige Selbstuntersuchung der Brust und die Teilnahme an Vorsorgeprogrammen.

Was aber, wenn Brustkrebs erst in fortgeschrittenen Stadien erkannt wird? Oder wenn der Tumor durch eine Operation nicht vollständig entfernt werden konnte, oder der Krebs trotz Behandlung gestreut hat? Für diese Patientinnen mit fortgeschrittener Erkrankung stehen heute innovative Behandlungsoptionen zur Verfügung, die zwar die Erkrankung nicht mehr vollständig heilen können, aber das Fortschreiten der Erkrankung hemmen und die Lebensqualität der Patientinnen über Jahre erhalten können.

Der Zeitpunkt der Diagnose

Patientin Rebecca L. erzählt ihre persönliche Geschichte.

Welche Beschwerden können auftreten?

Es kommt vor, dass der fortgeschrittene Brustkrebs überhaupt zum ersten Mal entdeckt wird, wenn Metastasen Beschwerden verursachen und nach deren Ursache gesucht wird. Je nach Verdacht und Beschwerden werden dann bildgebende Verfahren oder andere Spezialuntersuchungen durchgeführt, um möglicherweise vorhandene Metastasen aufzuspüren, etwa im Knochen, in der Lunge, in der Leber oder im Gehirn.

Bei manchen Frauen verursachen Metastasen keine Beschwerden und werden nur zufällig entdeckt, etwa bei Nachsorgeuntersuchungen nach der Ersterkrankung oder bei Untersuchungen, die aus ganz anderem Anlass durchgeführt werden.

Diagnose und Therapie von Metastasen


Univ.-Prof. Dr. Christian Marth
Universitätsklinik Innsbruck

Der Experte Univ.-Prof. Dr. Marth beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema fortgeschrittener Brustkrebs.

Was ist metastasierter Brustkrebs?

Bösartige Tumoren haben die Eigenschaft, Absiedelungen in andere Organe zu setzen. Tumorherde außerhalb der Brust werden als Metastasen bezeichnet. „Metastasierter Brustkrebs“ bedeutet, dass die Krankheit die Brust verlassen hat und bereits an anderen Plätzen wächst.

Wo können Metastasen auftreten?

Prinzipiell können in allen Organen Metastasen auftreten. Beim Brustkrebs sind Lunge, Leber und Knochen die häufigsten Stellen. Darüber hinaus sind das Gehirn und die Haut im Besonderen zu erwähnen.

Welche Untersuchungen sind bei Verdacht auf Metastasen notwendig?

Metastasen werden durch die für das Organ beste Untersuchung nachgewiesen. Das beinhaltet Ultraschall, Röntgen, Computer- oder Kernspin-Tomografie oder PET-CT. Häufig werden zur Sicherung der Diagnose auch Zellen entnommen und untersucht.

Gibt es Zentren, die auf metastasierten Brustkrebs spezialisiert sind?

Alle zertifizierten Brustkrebs-Zentren behandeln neben der lokalen Erkrankung auch Metastasen.

Wie können Knochenmetastasen behandelt werden?

Knochenmetastasen haben insgesamt eine gute Prognose. Die verschiedenen Therapieoptionen sollen eventuelle Schmerzen lindern, vor Knochenbrüchen schützen und ein weiteres Wachstum der Krebszellen verhindern. Knochenmetastasen haben insgesamt eine gute Prognose. Die verschiedenen Therapieoptionen sollen eventuelle Schmerzen lindern, vor Knochenbrüchen schützen und ein weiteres Wachstum der Krebszellen verhindern. Hierfür stehen im Wesentlichen die folgenden Therapiemöglichkeiten zur Verfügung:

  1. Medikamentöse Therapie:
    a. Antikörper (Denosumab) oder Bisphosphonate: Diese Medikamente werden ganz gezielt bei Knochenmetastasen eingesetzt. Der weitere Abbau von Knochenmasse sowie Knochenbrüche sollen verhindert werden. b. Antihormonelle Therapieformen: Das Hormon Östrogen sendet Impulse an die Krebszelle, wodurch diese zum Wachstum angeregt wird. Die Antihormontherapie zielt nun darauf ab, das Östrogen im Körper „auszuschalten“.
    c. Die Möglichkeit der Hemmung des Tumorwachstums durch sogenannte CDK4/6 Hemmer.
  2. Strahlentherapie: vor allem zur Linderung von Schmerzen
  3. In seltenen Fällen – operative Maßnahmen

Gehen die Nervenschädigungen durch die Chemotherapie wieder zurück?

Nerven sind wie Stromleitungen, die auch eine Isolationsschicht besitzen. Diese Isolation kann durch die Chemotherapie angegriffen werden. Dadurch kommt es zum Auftreten von eigenartigen Empfindungen, wie Ameisenlaufen oder aber auch zu einer verminderten Sensibilität. Ein Teil dieser Nervenschädigungen ist leider irreversibel, allerdings heilen die Nervenschädigungen meist erst viele Monate nach der Chemotherapie aus.

Welche Vorteile bzw. Nachteile bietet ein Port? Wie funktioniert dieser?

Durch häufige Venenpunktionen, insbesondere auch durch eine Chemotherapie, die in die Venen appliziert wird, kann es zu einer Schädigungen der Blutgefäße kommen und es wird dadurch immer schwieriger, eine Punktion durchzuführen. Aus diesem Grund wird häufig ein Port unter die Haut implantiert. Das ist wie ein kleines Tanksystem, das einen direkten Zugang zu einem relativ großen Blutgefäß bietet. So ein Port kann leicht angestochen werden und bietet eine exzellente Möglichkeit, eine Therapie direkt in das Blutgefäß durchzuführen. Der Hauptnachteil eines Port-Systems liegt in der Natur des Fremdkörpers, der sich manchmal infizieren kann. Damit kann so ein Port in seltenen Fällen auch die Quelle einer schweren Infektion sein.

Quellen:

Krebsinformationsdienst am Deutschen Krebsforschungszentrum. Brustkrebs. www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/brustkrebs/index.php; abgerufen am 07.05.2013.

Albert U-S, et al. Patientenratgeber Brustkrebs II. Die fortgeschrittene Erkrankung, Rezidiv und Metastasierung. „Leitlinienprogramm Onkologie“ der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V., der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. und der Deutschen Krebshilfe e. V. Berlin, 2011.