Was kann ich als Angehörige tun?

Meine Mutter, meine Partnerin, meine Freundin hat eine Krebserkrankung. Ich fühle mich ihr verbunden, will für sie da sein – bin aber selbst unsicher, ängstlich, traurig, hilflos. Nichts scheint nicht mehr so zu sein, wie es einmal war.

Die Diagnose „fortgeschrittener Brustkrebs“ verändert in den meisten Fällen nicht nur das Leben der Betroffenen, sondern auch das Leben des gesamten Umfeldes. Ängste und Sorgen können auch Angehörige innerlich zermürben. Diese Gefühle für sich zu behalten, ist nicht einfach und vor allem auch keine dauerhafte Lösung. Ob mit einer Freundin, einem Freund oder in diversen Foren – Sorgen und Ängste auszutauschen, kann dabei helfen, die Situation bewusster wahrzunehmen und zu verarbeiten. Auch als Angehörige und Freunde kann es ratsam sein, Hilfe in Anspruch zu nehmen, um die eigenen Gefühle einzuordnen und eine Stütze für die Betroffene zu sein.

Meine Mutter und ich

Als Tochter oder Sohn einer Brustkrebs-Patientin möchte man nur das Beste für seine Mutter: die bestmöglichste Therapie, die umfassendste Betreuung und die beste Unterstützung, die man bieten kann. Natürlich ist es ein Unterschied, in welchem Alter das Kind einer an Brustkrebs erkrankten Frau ist. Kleinere Kinder, die ihre Eltern als Stütze und Orientierung brauchen, benötigen in dieser Situation schnelle und professionelle Hilfe mit altersgerechten Gesprächen. Wenn Sie schon erwachsen sind, können Sie Ihrer Mutter im Haushalt und im Alltag entlasten, oder sie zum Arzt begleiten. Vergessen Sie aber nicht auf sich selbst und fragen Sie nach, ob es in Ihrer Wohnumgebung Selbsthilfegruppen für Angehörige sind und wo Sie professionelle Hilfe bekommen können, wenn Sie nicht weiterwissen.

Meine Partnerin und ich

Auch der Lebensgefährte einer betroffenen Frau sieht sich konfrontiert mit Gefühlen der Angst, Wut, Verzweiflung und Hilflosigkeit. Entscheidende zukunftsbezogene Fragen stellen sich neu, gemeinsam geschmiedete Pläne müssen zurückgestellt werden bzw. sind vielleicht gar nicht mehr realisierbar. Fragen um Endlichkeit und Sterben, den weiteren Verlauf der Krankheit und ihrer Auswirkungen auf alle Lebensbereiche belasten möglicherweise die Psyche. Das verursacht Unsicherheit, ob Sie als Partner dem gewachsen sind und was von Ihnen erwartet wird.

Die Bindung und die gemeinschaftliche Bewältigung der Herausforderungen, das „Wir-Gefühl“, sind enorme Kraftquellen. Scheuen Sie sich aber nicht, am Weg dorthin professionelle Unterstützung zu suchen oder sich mit anderen Betroffenen auszutauschen, etwa in Selbsthilfegruppen für Angehörige.

Meine Freundin und ich

Was geschieht in dem Moment, in dem die Diagnose Brustkrebs, das Wiederauftreten des Brustkrebses zur Gewissheit wird? Ihre Freundin erlebt einen Schock, sie wird von Angst und Panik ergriffen, ihre Hoffnung erlischt und sie hat das Gefühl, in einen Abgrund zu stürzen. Was sie jetzt am dringendsten braucht, ist Halt. Vertrauen Sie auf Ihr soziales Netz, binden Sie Ihre kranke Freundin in Ihre sozialen Aktivitäten ein, tauschen Sie sich mit gemeinsamen Freunden und Freundinnen aus, denn es ist für die Betroffene ebenso wichtig, mehrere stützende und verlässliche Bezugspersonen zu haben, wie auch für die helfenden Freunde, sich gegenseitig zu unterstützen.

Alle Beteiligten sollten Hoffnung und Sicherheit vermitteln, ohne aber die Endlichkeit zu verleugnen oder zu tabuisieren. Lebensfreude und Mut machende, kraftspendende Quellen aller Art können die Qualität des Lebens sowie die Lebenserwartung selbst erhöhen.

Initiativen ohne Schuldgefühle

Von Dr. Tilli Egger, Strahlentherapeutin und Psychoonkologin

Eine chronische Erkrankung wie fortgeschrittener Brustkrebs ist heute nicht mehr mit Siechtum verbunden. Mit den modernen Behandlungsmöglichkeiten sind auch diese Frauen zumeist in der Lage, an vielen Aktivitäten des Alltags teilzunehmen. Seien Sie daher nicht zu vorsichtig und zu ängstlich im Umgang mit der Erkrankten.

Bieten Sie nicht einfach „Hilfe“ an, vermeiden Sie Formulierungen, die andeuten, dass Sie Ihrer Angehörigen oder Ihrer Freundin jetzt helfen oder ihr eine Freude machen müssen, weil es ihr nicht gut geht. Das erzeugt bei demjenigen, der diese Hilfe annehmen soll, Schuldgefühle. Sagen Sie daher nicht: „Du bist krank, komm, ich gehe mit Dir ins Theater, ich fahre mit Dir ein paar Tage auf Urlaub – das würde Dir guttun!“

Binden Sie Ihre Partnerin, Ihre Freundin, Ihre Mutter stattdessen in Aktivitäten ein, die Ihnen selbst Spaß machen oder ohnehin erledigt werden müssen. Sagen Sie: „Wir gehen heute zum Heurigen, ich würde mich freuen, wenn Du mitkommst!“ Oder: „Ich gehe morgen ohnehin einkaufen, was kann ich Dir mitnehmen?“ Und bleiben Sie dann auf einen Tratsch und hören Sie einfach zu!